REFERAT GERMANA: AM TAG ALS WOLFGANG BORCHERT STARB

Incarcat la data: 18 Martie 2009

Autor: Gogoasa Alexandru

Pret: 50 credite

Die Reise nach Basel ist vielleicht nicht die letzte. Einmal Europa vom Westen nach Osten durchfahren und einmal Europa vom Norden nach Sdern durchfahren. So eine Gunst Und wie! Du Glckspilz! " q5s14sy Der Gedanke berraschte Wolfgang im Halbschlaf Ironie hatte er immer genug gehabt. Der Zug schlich durch Stadte und Bahnhfe , wo die Krallenspuren des Kriegs noch erkennbar waren. Er keuchte, zischte, fuhr hartnackig oder machte halt; sinnlos halt. Es war Herbst. Hier im Sden war noch alles grn. Wiesen, Walder. Ab und zu knorrige Aste drangen durch das offene Fenster der Abteilung. Wahrend der Fahrt machte er oft das Fenster auf und atmete die wohltuende Luft ein. Hamburg lag fern und neblich. Die Freunde bten das Theaterstck "Drauen vor der Tr ". Die Rollen verteilte er selbst. Als Hrspiel erlebte es einen Erfolg schon im Februar. In einigen Tagen schrieb er das Stck ; die Erlebnisse eines Heimkehrers, der hinkend nach Hause kommt und verblfft ein anderes, widriges Deutschland findet. Stalingrad lag weit ferner und nebliger ; im Gedachtnis aber frisch, zitternfrisch. Die Feinde waren tot, der Schnee von einst verschwunden , alles in die Erde verschwun den. Die Trmmer , die Schanzen, die weien Knochen auf den Feldern, die Ratten, aber zitternfrisch. Ein letzter, kraftiger Feind blieb nah , wie ein Schatten; die Gelbsucht. Allein konnte er sie nicht in die Erde jagen. Deshalb war er jetzt unterwegs nach Basel. Dort, erfahrene Arzte wrden ihn retten knnen. Jung und alt auf einmal! Wunderlich, aber doch! Krieger und Mrnschenfreund auf einmal! Wunderlich aber doch! Zum Tode verurteilt und begnadigt auf einmal! Wunderlich aber doch! Und die Krankheit, die im Kerker ausgebrochene Krankheit, zwang ihn anders zu handeln , als an sein Werk zu denken. "Die Gelbsucht nimmt die Krafte, macht mde, nagt an der Hoffnung... das Schlimmste... Ach! Wieder ein Bahnhof!Der Zug hat keine Eile., keine menschliche Aufregung. Er folgt stundenweise einem Fahrplan nach. berall wo ich schaue, sind die Reste des Kriegs noch lebendig... wie in einem Totentanz. Die Walder gewinnen rascher ihre Kraft, die Verjungung, wieder.Die Menschen haben mit ihren Stadten voll zu tun... und das dauert." Er schlummerte als der Zug auf den Basler Bahnhof bremste. Der Angstschwei benate. seine Stirne . In den verrckten Jahren sah er Feldzugbette, Kerkerpritschen, Lazarettzge, aber niemals ein Bett im Krankenhaus... Jetzt lag er in einem weien Bett, in weien Lacken , in einem weien Salon. Durch den dnnen Vorhang war die grne Landschaft zu erkennen. Im Ohr lauteten ihm die Stimme seiner Freunde: "Fahr hin, heile dich, zeig dir diesmal Geduld mit dir selbst., schone deine Krafte, dann komm zurck Theaterstcke zu schaffen ! " In der Stille des Salons wiegte ihn die Worte : " Die lange lange Strae lang " , wie eine Glocke...Stundenlang derselbe Rhytmus, als ob er seine verlorene Melodie suchte, eines nie gewagten Tanzes. Auf der Terasse sa er eine Weile , bis ein windiger Regen ausbrach... Weie Wolken, neblige Wolken auf den Schultern der Erde. Auf dem Ecktisch lag noch dieselbe Suppe von der Mahlzeit, eine ungerhrte Suppe. Kein Appetit. Kein Wunder! Neben dem Suppenteller stand zwar das kleine Madchen mit ihren Beinen , so dnn wie Finger.Wie Finger im Winter. So dnn und so rot und so blau . Sie flsterte immerzu: " Lieber Gott, gib mir Suppe. Lieber Gott, gib mir Suppe. Ein Lffelchen nur, ein Lffelchen nur! " Ein erschtterndes Erscheinen ... und der Kranke konnte nicht an die Suppe rhren. Die erlebten Greueltaten wollten sein Gemt nicht loslassen. " Verrckt kann man werden, aber nie losgeworden und befreit", dachte er und war sogar nicht traurig. "Ab heute vergessen zu knnen und seelenruhig , ware es zu viel! Die Vergangenheit will nicht vergehen.; die tonnenschwere Vergangenheit !" Als Achtzehnjarige erlebte Wolfgang den Ausbruch des Kriegs, der ausgedehnteste und der grausamste aller Menschenkriege. Es war aber keinesfalls sein Krieg. Mit zwanzig Jahren beteiligte er sich schon an das Gemetzel von Stalingrad.Seine Briefe ber einen absurden Krieg, eine mrderische Regime und ber den verblffenden russischen Winter beeindrckten die Ableser von Zenzur ; besonders der unvorstellbare russische Winter. Bestimmt verurteilte ihn das Militargericht wegen der Verachtung des russischen Winters ! Zweifelsohne ware der Krieg anders verlaufen , wenn der einstige Winter ein normaler Winter gewesen ware. Zweifelsohne hatten seine Briefe anders die Schlacht im Winter beschrieben. Zurckgeschleppt, verhrt, vor dem Miltargericht gestellt... zum Tode verurteilt! Des russischen Winters wegen ! Es war die Hhe! Es war die Hlle! Der begabte Briefenschreiber wartete auf seinen Tod. In einer miseren Zelle hinter allen Tren den Tod erwarten. Doch anstatt des Henkers kam die Begnadigung; wegen Gelbsucht und Difterie... Eine Verschiebung des Kaltwerdens Sogar ein Verbrecherstaat wollte einen schwerkranken Jungen nicht tten, trotz seiner ausdrucksvollen Briefe ber den Krieg. Dass aus solchen Briefen und aus anderen geschribenen Schreien ein Werk werden wird, ein Augenzeuge der Hundejahre , konnte das Gericht nicht ahnen Doch das Werk entstand; im Marsch, im Kerker, unter Kannonengeheul, im Winter aller Winter, den auch das Militargericht hasste -; hasste aber nicht verstand.. Der Kranke beharrte: "Helm ab, Helm ab. -; Wir haben verloren! " Das Werk, die unwiderstehliche Wahrheit eines mutigen Knstlers, kam gewaltig heraus. Hatte das Gericht alles gelesen, hatte es ihn nie begnadigt. Abes das Schicksal beschloss anders. Nur noch zwei knappe Jahre im Frieden schaffen ... Jetzt httete er das Bett ; der Leib unbewegt, die Gedanken bummelten herum. Als der Zug im Begriff zu starten war, fhlte er ein Zgern, wollte sogar von der Treppe zurckspringen. Nur noch die Blicke, die entschlossenen Blicke seiner Begleiter -; er muss weg, sich zu heilen -; hielten ihn noch im Zug. Nach fnf Minuten war es zu spat. Der Zug beschleunigte, umhllte sich in einer Dampfwolke, wie ein Gespanst... Die Kraft mit dem er den Bahnhof zurcklie , flsste Wolfgang ein Starkegefhl ein Als Soldat war alles anders. Der mutige Soldat steigt in den Zug, juppheidi, ein oder aus, wechselt auf Befehl die Richtung, durchquert Europa,juppheida, fhlt aber kein Zgern, keine Sehnsucht.Angst,ja! Wenn die Kannonenorgel verstummt.Er friert und schlummert kurz wie die Hasen, oder noch schlimmer, schlaflos schreibt er die Briefe seines Verhangnis. "Drang nach Osten! Jucheee! " Hatte ein Brief anfangen knnen. "Propaganda! Lgen! Absurder Feldzug fr Mann und Pferd! Tierisches Wetter! Der Frost aller Frste zerbricht die Erde.! Aber, wer hat uns alle gelogen? Wer hat uns Trugbilder serviert? Dieser allherrschender Schnee ist die Antwort. Der weie Tod ! Angenommen, dass die Zensoren etwas Ahnliches unter die Augen bekamen. Der Junge wurde auf einem Hieb von einem unwichtigen Soldat zu einem Grofeind der Regime. Ein Narrenstaat der so pervers und scheinheilig war , sich ein Heldenstaat zu glauben. Seine mitrauischen Blicke duldeten keinen Zweifel, keinen Trotz. Der Staat reagierte immer in gleicher Art, mit Gewalt und Terror. Er taumelte wie ein Schlafwandler, aber war dessen nicht bewut; genau wie ein Schlafwandler. Eine ruhige, wahre Erlsung fand der junge Artist niemals. In jener Nu wollte er nur bei sich bleiben, nur begreifen , Gefhle in Ordnung bringen. Vor einem Tag berraschte er den Arzt, als er die Achseln zuckte. Doch, das lie ihn nicht einschchtern Er war ein Selbstloser Immer liebte er andere Wesen ; Menschen, Tiere. Die auf ihn lauernde Gefahr vernahm er nicht. Seine Erlebnisse, seine Wahrheit waren ihm weit wichtiger. Zeit brauchte er, nur Zeit, deshalb war er hier .. nach der Suche des Lebensbrunnens. Dann wollte er gegen Terror und Mord kampfen. Damit nicht mehr auf der Welt geschehe, alles was er erlebte... nie mehr den Schwefelengel in der Luft schweben sehen. Er hatte eine Menge zu tun, trotz der Schwache, trotz der Fieber. Seine Menschenliebe darf sich nicht in Vergessenheit senken, oder sich an die Mauern des Unsinns stieen. Seine ehrliche Neigung zu anderen Herzen muss eine Brcke bauen, sein Schaffen und sein Sieg muss den Menschen menschlicher machen. Seine Liebe war die eines Armen und Reichen zugleich. " Wer spielt die Rolle Elbes? Wer sagt zu Beckmann? < Du hast wohl gedacht, ich ware ein romantisches, junges Madchen mit blagrnnen Taint? Typ Ophelia mit Wasserrosen im aufgelsten Haar ? Du hast am Ende gedacht, du knntest in meinen sduftenden Lilienarmen die Ewigkeit verbringen. Nee, mein Sohn, das war ein Irrtum von dir. Ich bin weder romantisch, noch sduftend . Ein anstandiger Flu stinkt. Jawohl. Nach l und Fisch. Was willst du hier?" Der Kranke meinte: " Es muss die Mutter eines im Krieg getteten Sohnes fr diese Rolle geeignet sein. Eine Frau in deren Stimme das Leiden ohne Willen erkennbar ist. " Eine wohltuende Hitze berschwemmte Wolfgang. Ein Schimmer der Hoffnung. Morgen wird er wieder schreiben; und sogar in der Frh. Ein Leben lang brauchte er alles zu schildern, was er auf den Wegen Europas gesehen hat. Wie die Macht zum Mord wird und wie der Mord zum Macht wird. Von nun an soll keine Seele mehr drauen vor der Tr stehen ! Keine Seele darf seine absurde Verurteilung hinter geschlossenen Tren erwarten! Egal ob das vor Stalingrad oder in Moabit geschiet. Von irgendwo , von grner Umgebung, dringt zu ihm ein Lallen . Jemand murmelt jammerlich mehrmals eine Strofe: " Auf dem Braun der Ackerblume weht hellgrn ein Gras , Eine blaue Blume Lindert allen Haa " Es war das Lamento eines in sich zusammengefallenen Mann. Er trug auch den frostigen Feldzug durch. Er war dabei als 57 Kammeraden wahrend der Schlacht neben Woronesch begraben worden waren. Die Erde war wie Stein. berall nur Schnee, Hunger und Sturm. Es reichte eimen die Vernunft zu verstreuen. Nur das Lallen war vernehmbar. Der Mann war nicht zu sehen Es ist November. Durch die Fenster des Salons sieht man die bergische Landschaft. Es ist grn, dunkelgrn und regt sich nicht. Der Wald hat besser als der Mensch das Warten gelernt. Deshalb lebt er immer und ewig... immer und ewig.. Das ist ein Refrain, eine Trost vom Menschen erfunden, eine Arznei , eine Wiege... Dem Fiebernden schien es einmal aus dem Urwald auf dem Abhang Jrgen mit seinem vierjahrigen Bruder, das alte Ehepaar mit einem Korb voll Brot , den Schockierten mit der Kchenuhr am Hals. kommen ; direkt zum Bett kommen, als ob es keine Wande da waren! Der Kranke wahr leise von der Fieber los. Seine Stirne war kalt, kalt wie nie. Er schien sogar nicht mehr zu atmen . So tief eingeschlafen schien er zu sein ! In dem weien Bett regte sich nicht, fr immer und ewig nicht... Die Vorbeigehenden lasen vor: Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund. Wir sind die Generation ohne Glck, ohne Heimat und ohne Abschied. Unsere Sohne ist schmal, unsere Liebe grausam und unsere Jugend ohne Jugend. Wir sind die Generation ohne Abschied..." Wolfgang war einer , der nicht mehr zurck nach Deutschland kam. Als spates Opfer des Kriegs blieb er fr immer in seinem weien Bettzeug. Es war der 20. November 1947. Nur zwei knappe Jahre blieben ihm seine Schimmerwelt aufzubauen. Seine knappe Freiheit zu genieen. Am 21. November fand die Urauffhrung seines Theaterstckes in Hamburger Kammerspielern statt. Der Erfolg war gro. Vielleicht war auch seine Seele dabei und erlebte seine erste wahre Freude. Eine neue Generation voll von Bindungen , ohne Gott, ohne Glck und ohne Abschied entstand. Irgendwo, auf den Wegen Europas, bereitete sich eine neue Generation juppheida zu schreien und zur sinnlosen Arbeit zu marschieren, zu einer Arbeit, die niemanden befreite. Es war eine Generation im Osteuropa. Der nach dem Krieg entstandene Staat war auch narr: lgnerisch und narr. Diesmal im Osteuropa. Eine andere Generation musste die Launen eines trgerischen Staat erdulden. Eine neue Generation musste ihre Freiheit von einem Narrenstaat erzwingen. Es war eine Qual, es war ein Kampf. Am Tage als Wolfgang Borchert starb , irgendwo in Osteuropa, in einer Donaustadt erblickte ich die Welt., die graue, grausame, misere Welt !

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